Die Pharma-Mafia


Geschäft mit der Hoffnung

Gesundheitsreformen hatten Patienten in den letzten Jahren einige mit zu tragen. Da wurden Praxisgebühren und Medikamentenbeteiligungen für Patienten eingeführt. Menschen mit geringem Einkommen können sich seither fällige und notwendige Therapien nicht mehr oder nur schwer leisten. Auf der anderen Seite gibt es für zu behandelnde Krankheiten im Krankenhaus Fallpauschalen, die Krankenhäuser zu einem Wirtschaftsbetrieb machten. Mit der Privatisierungswelle werden viele unnötige Untersuchungen und Behandlungen „verkaufet“, zu denen die Ärzte förmlich angewiesen sind.

Das geht ganz leicht, weil der Patient im Allgemeinen keine Ahnung hat, was tatsächlich an Untersuchungen und Maßnahmen notwendig ist. Sehr beliebt dabei sind Magenspiegelungen, die z. B. bei einer Gallenblasenoperation nicht notwendig sind, weil. sie nicht im Zusammenhang mit dem Magen steht.

Aber auch die Ärzte müssen mit Fallpauschalen auskommen. Vielleicht ist dem Einen oder Anderen schon aufgefallen, dass die meisten Ärzte immer nur ein Symptom behandeln. Wenn dann eine Besserung eintritt, kommt bei einem weiteren Vorsprechen in der Praxis das nächste dran. Nicht etwa, weil das Problem nicht warten kann, sondern weil dann eine weitere Fallpauschale fällig ist.

Medikamente sind wichtig für unsere Gesundheit. Wir gehen zum Arzt und hoffen, um schnell wieder gesund zu werden, dass er uns das richtige Rezept herausschreibt. Wer glaubt, dass die Pharma-Industrie zum Wohle unserer Gesundheit arbeitet und forscht, macht sich Illusionen. Hoffnung ist ein lukratives Geschäft für Bayer, Pfizer, Novartis, Boehringer, Peterson & Peterson und Co.

Forschung

Es gibt in der Medikamentenbranche so etwas wie einen Forschungsstillstand. Zwischen den Jahren 1990 und 2009 sind trotzdem mehr als 550 neue Wirkstoffe auf den Markt gekommen. Nur acht davon sind eine echte Innovation. Vierzig bis fünfzig hatten einen kleinen aber beschränkten zusätzlichen Nutzen, der nicht der Rede wert ist. Neunzig Prozent waren genauso gut oder manchmal auch schlechter, aber dafür teurer, als die Vorläufermedikamente.

Zum Teil werden nur 10 Prozent des Gewinns in die Forschung für neue Medikamente gesteckt. Viele Firmen stecken die gesamten Mittel, die sie für die Forschung freimachen, aber nur in „Nachfolgeprodukte“ patentgeschützter  Medikamente, damit der Gewinn weiterhin stimmt. Eine Studie und die Zulassung für neue Produkte sind einfach zu teuer und rechnen sich nicht. Deshalb werden mit Vorliebe Umwandlungen  von Medikamenten als „neue“ verkauft.

Auf der anderen Seite wird für Werbung viermal soviel Geld ausgegeben. Schließlich bringt das den erwarteten Umsatz.

Neue Substanzen kommen meist aus den Forschungsabteilungen der staatlichen Universitätskliniken, nicht aber von den Konzernen selbst. Hier wird mit weit weniger Mitteln Sponsoring betrieben, als für die eigene Forschung aufgebracht werden muss. Die Ergebnisse werden dann wieder von den Pharmafirmen gekauft oder in Lizenz verarbeitet. Der Hauptanteil der Forschungsgelder kommt jedoch aus öffentlichen Kassen. Das ist in jedem Fall billiger, als eigene Forschung zu betreiben und die jungen Forscher in den Uni-Kliniken sind auf Drittmittel angewiesen. Die wirkliche Forschung wurde somit ausgesourced.

Natürlich müssen neue Medikamente auch zugelassen und überprüft werden. Die European Medicines Agency (EMA) ist hierfür die zuständige Behörde, welche die Studien der Pharmaunternehmen überprüft. Eine solche Überprüfung ist einfach zu bewältigen. Wichtig dabei ist die Auswahl der Probanten, welche ein- oder auch ausgeschlossen werden und womit verglichen wird. Da kann es schon vorkommen, dass der Vergleich gegenüber einem Placebo stattfindet. Dadurch wird dann in jedem Fall eine Wirkung erzielt und der Nachweis ist erbracht. Zudem werden die Wirkstoffe geringer dosiert und als Probanten junge Menschen bevorzugt, bei denen sich nicht so viele Nebenwirkungen herausstellen.

In einer Studie der Universität Edinburgh räumte ein Drittel der befragten Forscher ein, oft wegen des Drucks der finanzierenden Institutionen, also den  Pharmaunternehmen, die Ergebnisse zu verändern. Studien, die nicht das gewünschte Ergebnis bringen, werden nicht der Öffentlichkeit preisgegeben. – Des Brot ich ess, des Lied ich sing.

 Pharma-Industrie

Unverhältnismäßig hohe Preise für Medikamente sind deshalb möglich, weil in Deutschland die Preise für Medikamente von den Herstellerfirmen selbst festgelegt werden können. Weder Qualität noch Wirksamkeit entscheiden also über den Preis. Dieser muss von den Krankenkassen bezahlt werden, ob sie wollen oder nicht. Deshalb ist hierzulande der Arzneimittelpreis um ein vielfaches höher als in anderen Ländern, in denen die Preise mit den Krankenkassen verhandelt werden müssen oder Höchstpreise durch die Regierungen festgelegt wurden. Allzu oft sind Medikamente in anderen Ländern 80 Prozent billiger, als in Deutschland. Demnach befindet sich die Pharmaindustrie hierzulande, wie die Made im Speck, im reinsten  Schlaraffenland.

Läuft ein Patent für ein Medikament nach 20 Jahren aus, ist die Situation eine Andere. Firmen können dann das Produkt nachahmen. Die Arzneimittel beinhalten zwar die gleichen Wirkstoffe, die Pille hat vielleicht eine andere Farbe, aber der Preis dafür ist um einiges geringer, als das Produkt der Ursprungsfirma. Die Krankenkassen und auch die Politik wollen dann, dass meistens diese Generika, so nennt man die nachgeahmten Produkte, verschrieben werden.

Keiner kauft danach mehr die teuren, eine gute Umsatzrendite erzielenden Produkte und die Gewinne stürzen ab. Also müssen die Pharmaunternehmen nach Ablauf eines Patents wieder ein neues Produkt herausbringen. Es geht aber dann nicht darum, ein besseres, sondern ein teureres Medikament herauszubringen. Meist werden nur ein paar Moleküle verändert. Im Grunde wird das alte Präparat neu patentiert. Pharma-Firmen haben lange an dem Mythos gearbeitet, dass ein neues Medikament besser ist, als das Alte. Ältere Medikamente haben den Vorteil, dass die Nebenwirkungen bekannt sind.

Pharmareferenten

Die so genannten Pharmareferenten haben nicht gerade den einfachsten Job. Sie müssen Ärzte und Krankenhäuser aufsuchen und für die Produkte werben.

In den Reihen der Referenten befinden sich vorzugsweise Studienabbrecher aus Medizin und Biologie. Die strengen Vorgaben der Pharmakonzerne sind nur schwer zu erfüllen. So werden z. B. 10 Arztbesuche pro Tag vorgeschrieben, die aber meist nicht eingehalten werden können. Trotz Terminen bei Ärzten müssen sie oft stundenlang in den Arztpraxen warten, um an die zu bewerbenden, oft mürrischen Ärzte heranzukommen. Ein nicht gerade motivierender Job. Können sie ihr Pensum nicht einhalten, werden sie möglichst fristlos wieder entlassen. So wird der Druck auf die Anderen aufrechterhalten.

Die Pharmabranche gibt ungefähr 2,5 Milliarden Euro jährlich nur für die Referenten aus.

Zu den Aufgaben der Pharmareferenten gehört es auch, beiläufig zu prüfen, ob Ärzte eine Vorliebe für teure Autos oder extravagante Immobilien haben oder ob gerade eine teure Scheidung angefallen ist. Da kommen dann die „Geschenke“ oder die „Referentenhonorare“ zu tragen.

 

  Ärzte 

 Wir zahlen jeden Monat in die Krankenkasse ein. Bei einem Besuch beim Arzt bekommen wir ein Rezept ausgestellt, mit dem der Arzt praktisch über unser Geld, das wir in die Kassen einzahlen, verfügt. Der Arzt schaut in seinem Computer nach, welches Medikament wohl für diese oder jene Krankheit am besten ist. Tut er das wirklich? Pharma-Unternehmen überlassen nichts dem Zufall.

Früher erhielt man als Patient ab und zu einmal ein Medikament aus dem Schrank ausgehändigt. Kostenlose Proben der Pharma-Industrie an die Ärzte. Heute wird von Pharmareferenten zu den Ärzten eine persönliche Beziehung aufgebaut. Wenn „der Fisch gefangen ist“ – werden von der Pharmaindustrie „Spenden“ verteilt wie Computer, Drucker, Software, Navigationssystem, Beamer, iPod usw. Dafür wird natürlich auch eine Gegenleistung erwartet.

Immer wenn ein Arzt ein Rezept ausschreibt, ruft dieser die Software mit den Präparaten auf. In der Liste der Medikamente stehen dann, je nachdem von welchem Pharma-Unternehmen die Software stammt, die Präparate dieser Firma als erstes auf dem Bildschirm. Will nun der Arzt seinem Patienten das Medikament eines anderen Unternehmens verschreiben, kommen lästige Bestätigungsfragen wie z. B.: „wollen Sie wirklich das Medikament verschreiben?“ Mehrmals muss er dann das Bild mit den Fragen wegklicken, sodass es zeitsparender gewesen wäre, ein Medikament des „edlen Spenders“ gleich zu verschreiben.

Mit einer solchen Bindung an eine Firma kann das betreffende Unternehmen sicher damit rechnen, dass der Arzt die Arznei des jeweiligen Software-Spenders verschreibt und verdient damit, ob das Medikament nun hilft oder nicht, eine Menge Geld. Die Pharma-Industrie lässt sich nicht lumpen und bezahlt je nach Medikament und dessen Preis zwischen drei und acht Prozent.

Mit teuren und neuen Medikamenten werden Anwendungsbeobachtungen (AWB) durchgeführt. Ärzte füllen bei Verwendung eines solchen Medikaments einen Fragebogen aus und senden diesen an das Pharmaunternehmen. In diesem Formular kreuzt der Arzt an, ob das Medikament gewirkt hat oder nicht. Das wird nicht etwa für wissenschaftliche Zwecke verwendet, sondern als Nachweis, dass der Arzt wirklich das Medikament der jeweiligen Firma verordnet hat. Er muss das nicht umsonst tun, die Pharma-Industrie zahlt ihren „treuen Ärzten“ eine „Aufwandsentschädigung“ dafür. Das kann einem Arzt mal schnell 100.000 € zusätzlich im Jahr einbringen. Etwa die Hälfte der Ärzte in Deutschland beteiligt sich an diesen AWBs, verdient sich ein ordentliches Zubrot und ist damit abhängig.

Die Präparate des jeweiligen Unternehmens werden dadurch häufiger verordnet, als ohne AWB. Ein brillantes Marketinginstrument für die Pharmaindustrie. Nicht also das beste Medikament für die Gesundung des Patienten zählt, sondern die Bezahlung des Medikamentenherstellers. Letztendlich werden diese „Prämien“ von den Kassenbeiträgen der Patienten bezahlt.

Sollten Ärzte nicht unabhängig und nur nach ihrem Gewissen Medikamente verordnen? Es lohnt sich also, den Arzt zu fragen, ob er sich an einer Anwendungsbeobachtung beteiligt. Die ärztliche Berufsordnung verbietet es, für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel eine Vergütung oder andere Vorteile zu fordern oder anzunehmen. Diese „Geschenke“ werden deshalb als „Referentenhonorare“ ausgewiesen, obwohl der jeweilige Arzt nie irgendwo referierte.

Die Umsatzrendite der Pharmaunternehmen liegt zwischen 30 und 40 Prozent. Würden da nicht Ackermann und Co. Einen Luftsprung veranstalten?

Natürlich gibt es auch Ärzte, die sich nicht auf solche windigen Geschäftspraktiken einlassen und ihre Patienten wirklich heilen wollen. Ärzte aus Überzeugung werden von den Konzernen verächtlich als „Heiler“ bezeichnet und sind natürlich nicht gut angesehen, weil sie Medikamente verordnen, die nach ihren Erfahrungen wirklich nützen.

Patienten

Der Patient bleibt dabei auf der Strecke. Der größte Anteil des Umsatzes (über 40 Prozent) dieser Konzerne entsteht aber nur mit einem sehr geringen Anteil von Patienten (ca. 3 Prozent), die final erkrankt sind, also Todkranke.

Diese Menschen sind eine wachsende „Zielgruppe“ der Pharmaindustrie. Bei herkömmlichen Therapien krebskranker Menschen lag der Umsatz pro Patient bei 10.000 bis 15.000 €. Das sind bei jährlichen 450.000 Neuerkrankungen 6,75 Milliarden. Dies war den Pharmakonzernen zu wenig. Sie machten sich Gedanken darüber, wie sie die Therapiekosten auf 100.000 € pro Patient steigern könnten. Immerhin wäre das ein Umsatz von 45 Milliarden €. Ein gutes Geschäft, zumal die Krankenkassen einen Überschuss erwirtschaftet hatten, auf den nun die Konzerne schielten.

Vorhandene Präparate können aber nicht so ohne weiteres verteuert werden. Schnell wurden neue Substanzen gegen den Krebs gefunden, die in die kranke Zelle direkt eingreifen und nicht mehr – wie bei der Chemotherapie – gesunde und kranke Zellen angreifen. Ein großer Fortschritt, wie uns die Konzerne weismachen wollen? Mitnichten!

Visceratin heißt z. B. ein neues angebliches Wundermittel und hat der Arzneimittelindustrie an Jahrestherapiekosten über 110.000 € pro Jahr und Patient eingebracht. Die Nebenwirkungen sind enorm. So kann es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie Herzinsuffizienz oder Übelkeit kommen. Das ist für die betroffenen Patienten nicht gerade ermunternd. Für zwei Monate Lebensverlängerung immense Nebenwirkungen zu erleiden, ist die Hölle. Das bedeutet, dass mit Medikamenten dieser Art die Krankenkassen geplündert werden und lediglich die Pharmaindustrie sich „gesund“ stößt. Der Patient aber mit unangenehmen Nebenwirkungen zu kämpfen hat. Gesund machen tun die Pillen keinen einzigen Patienten, der sich an jede Hoffnung klammert.

Das Medikament kann den Patienten aber ebenso wenig gesund machen. Es verlängert nur das Leben um ungefähr 2 Monate. Aber auch bei anderen Medikamenten wie Alimta, Tarceva und Abastin konnten nur rund 2 Monate Lebensverlängerung durchschnittlich nachgewiesen werden. Bei Tyverb aber nicht ein einziger Tag.

Die meisten Medikamente helfen also nicht oder nur sehr wenig. Bei dem Arzneimittel Herceptin, das gegen Brustkrebs helfen soll, leben nach vier Jahren noch 90 Prozent der Patienten. Allerdings lebten ebenfalls 90 Prozent nach diesem Zeitraum noch, die mit diesem Medikament nicht behandelt wurden. Das aber verschweigen die Konzerne.

Die immensen Preise für Medikamente werden mit  Forschung begründet, die nicht stattfindet.

Direktes Bewerben von Patienten ist in Deutschland verboten. Der heutige Patient informiert sich über Bücher, Broschüren und ähnliches. Auch das befriedigen die Pharmakonzerne, indem sie in Zeitschriften und Büchern ihre Produkte anbieten. Der Patient soll den Arzt direkt auf das jeweilige Medikament ansprechen und es verlangen. Auch Selbsthilfegruppen werden nicht ausgelassen und von den Pharmaunternehmen gesponsert. Sollten diese nicht mitmachen, werden neue gegründet. Diese sollen dann Veranstaltungen organisieren in denen bestimmte Medikamente vorgestellt werden. Bezahlte angebliche Patienten, die das jeweilige Arzneimittel verwendet haben wollen, sind dann im Publikum vorhanden und berichten über die angebliche Wirkung. Die Patienten sollen diese Arzneimittel von ihrem Arzt verlangen. Das geht dann oft soweit, dass, wenn ein Arzt das Mittel nicht verschreiben will, der Patient einen anderen aufsucht.

 Fazit 

 Medikamente werden nicht aus medizinischen, sondern aus kommerziellen Gründen herausgebracht. Es soll soviel Geld wie möglich aus den Krankenkassen auf die Konten der Pharmaindustrie geleitet werden, dass die geplante Rendite von 40 Prozent erreicht wird. Das geht nicht mit billigen Medikamenten.

Die Pharmakonzerne kontrollieren große Teile der Wissenschaft, korrumpieren öffentliche Forschung, manipulieren Studienergebnisse und deren Veröffentlichungen. Sie beeinflussen Parteien und Parlamente ebenso wie Regierungen. Forschung sieht nicht so aus, wie sie öffentlich dargestellt wird.

Alte Medikamente werden aufgemotzt. Das ist billiger als neue innovative Arzneien zu entwickeln. Wenn es wirklich neuartige Medikamente gibt, kommen diese aus öffentlichen Uni-Kliniken, die weitgehend von öffentlichen Geldern finanziert werden.

Ist es da ein Wunder, wenn die Gesundheitsvorsorge immer schlechter wird oder vom Geldbeutel der Patienten abhängt? Heute gibt es „blutige Entlassungen“ aus den Krankenhäusern und nur noch  eine „ausreichende Versorgung“ des Patienten! Personal wird immer mehr abgebaut, weil man Kosten sparen „muss“, damit die Haie der Konzerne noch mehr abschöpfen können. Selbst Notfallpraxen sollen in Baden-Württemberg von derzeit 400 auf 100 bis 150 reduziert werden. Der Patient bleibt dabei auf der Strecke und wird immer schlechter versorgt oder muss viele notwendige Therapien selbst bezahlen. Dazu sind aber immer weniger Menschen in der Lage.

Derzeit sind wieder Überschüsse bei den Krankenkassen vorhanden. Wir dürfen alle gespannt sein, wie lange es dauert, bis die Kassen wieder im Minus sind. Die gesetzlich erlaubte Preiswillkür und Straffreiheit bei Wissenschaftsbetrug muss abgeschafft werden, um die Patienten zu schützen und Ärztebestechlichkeit auszuschließen.

Solange aber Lobbyisten in den Parlamenten und Ministerien sitzen, wird sich da wohl nichts ändern und die Beiträge zur Krankenkasse immer weiter steigen. Wenn die Pharmaindustrie gezwungen wird, ihre Preise einem normalen Marktgeschehen anstatt kriminellen Marketingstrategien auszusetzen, gäbe es mit Sicherheit keine Probleme in der Finanzierung im Gesundheitswesen. So ist der Patient immer der Dumme. Wird da nicht klar, warum die Pharmafirmen sich aktiv gegen Sterbehilfe einsetzen? Mit (noch) Lebenden wird Geld verdient.

Erfreulich ist, dass sich 2007 eine Initiative unbestechlicher Ärzte und Ärztinnen, unter dem Namen  „ Ich bezahle mein Essen selbst“ (MEZIS) gegründet hat.

Als Bundesgesundheitsminister hat Philipp Rösler vor ein paar Jahren die Pharmaindustrie in die Mangel nehmen wollen. Aber wie schnell wurde er zurückgepfiffen. Jeder hat das mitbekommen. Er war als noch neuer Minister eben nicht mit den Praktiken der „Alten Hasen“ und der Regierung betraut. Ihm wurde schnell klar gemacht, Pharma-Unternehmen sind ein „heißes Eisen“, das man nicht angreift.

Allerdings gäbe es eine Möglichkeit, diese mafiösen Strukturen im Gesundheitswesen abzuschaffen. Würde man die Gesamtheit der Daseinsfürsorge verstaatlichen, einschließlich der Pharmakonzerne, wäre wieder für jeden einzelnen Mitbürger eine bestmögliche Gesundheitsfürsorge möglich und nicht nur eine „ausreichende“. Aber dazu brauchen wir eine andere Politik.

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7 Antworten to “Die Pharma-Mafia”

  1. attalan Says:

    Reblogged this on Attalan's Blog.

  2. Violet Teki Says:

    Bestmögliche Gesundheitsversorgung muss absolute Priorität progressiver Gesundheitspolitik werden. Gesundheit darf keine Ware sein. PUNKT!

    Dem stimme ich voll und ganz zu, vor allem dürfen keinesfalls Alternative Heilmethoden unbeachtet bleiben und durch angebliche Unwissenschaftlichkeit ausgeschlossen werden! Der Mensch muss wieder als ganzheitliches Lebewesen gesehen werden!

    Gerade der Artikel zeigt, wie wenig überlegen und der Heilung dienlich die sogenannte evidenzbasierte Medizin und deren Pharmaforschung ist!

    Jeder muss frei entscheiden dürfen, welchen Weg er oder sie wählt.

    Die beste Lösung wäre ein System wie im alten China, wo jeder solange seinem Arzt des Vertrauens bezahlt, solange er gesund ist, nachdem der Arzt im vorausschauend und ganzheitlich behandelt hat! Wenn jemand erkrankt, zahlt er den Arzt vorübergehend nicht mehr, bis er oder sie wieder gesund ist.

    Ein geniales System – denn es würde ganz andere Anreize schaffen.

  3. die Simpsons Says:

    Der Artikel befasst sich mit den Geschäftspraktiken unserer Gesundheitsindustrie. Und die sind einfach erschreckend. Ich möchte auf eine Statistik von eurostat hinweisen, die sich mit der Erwartung gesunder Lebensjahre von 65jährigen westeuropäischer Staaten (20) befasst. Das Ergebnis ist für Deutschland katastrophal. In der Liga der westeuropäischen Staaten liegen wir bei den Frauen auf dem vorletzten und bei den Männern auf dem letzten Platz. 7,1 bzw. 6,9 gesunde Jahre und das im Schnitt. Spitzenreiter Norwegen hat 15,4 bzw. 14,5 Jahre aufzuweisen.

    Wie kann das sein, wenn man eines der teuersten Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt hat. Die Antwort liegt auf der Hand. Bei unserem Krankheitsunwesen geht es nicht um Gesundheit sondern um Krankheit bzw. Profitinteressen einer ganzen Branche und ihrer Handlanger.

    Quelle: http://www.jjahnke.net/rundbr91.html#2653

    Solange die Krankheit den Umsatz generiert ist auch keine Heilung zu erwarten. Meide den Arzt und lebe gesund. Nur in Notfällen und bei Unfällen läßt sich der Kontakt mit diesem Krankheitsunwesen nicht vermeiden.

  4. Das Häschen Says:

    Die Frau Susanne sieht das richtig. Generika sind aber kein Schaden … die sind nicht schlechter, werfen aber nicht all zu hohe Gewinne ab. In der Pharmabranche sind so 20-30% durchaus drinnen und dann noch der Apotheker. Bei den Generika ein Drittel. Aber nicht bei jedem Medikament.

    Bei der Beurteilung der Datenbank über die Herstellkosten der einzelnen Konzerne und Produkte (die Wissen um wie viel Geld andere produzieren) bin ich mir nicht sicher, ob das eher gegen vernünftigen Wettbewerb sich entwickelt oder eher gegen Preisabsprache – ganz entschieden ist diese Schlacht nicht. Im Moment eher wahnwitziger Wettbewerb, der irre Ergebnisse produzert.

    Dass die ‚Pharmaindustrie‘ aber unter dem Vorwand Forschung vorzufinanzieren auf Inseln versteuert, bei denen man von einem Postkasten über den nächsten stolpert,… ist eine andere Sache. Teils verstehe ich, dass sie freier wollen forschen. Nichts ist beschränkter auf dieser Welt als der Kleingeist eines Politikers. Es hat alles 2 Seiten.

    Die Reglementierung sind streng und die Produktion unter GxP (Standard) usw… auch plagvoller und diese Standards haben wir, da Produkte in die U.S. verkauft werden, damit eine Horde von durch Marketing/Werbung terrorisierter Konsumenten sich und den Nachwuchs mit Medikamenten vollstopft. Aber keine Sorge das droht uns bald in jeder Branche und die Medikamentenwahn in Europa ist mittlerweile auch irr, getrieben über Werbung an jedem Eck und Ende.

    Es wird ein Medikament als ‚gesund‘ verkauft. Es ist möglw. gesundend. Ähnliche Argumentation wäre ein Skalpell als gesundes Kinderspielzeug zu verkaufen, da man damit man die Vorbedingung für Heilung herbeiführt.

    Was hat die Pharma in die Position gebracht – die erfolgreiche Forschung. Das war der Durchbruch. Die Prozesse sind wohl durchaus optimiert, das ist dem internationalen Wettbewerb geschuldet, denn derjenige der Patent als erster anmeldet hat einige Zeit frieden, 2 Jahre glaube ich.

    Was man heute viel mehr merkt als früher sind die Finanzinvestoren … das Geld muss schneller reingespielt werden, einerseits da die Investoren Geld sehen wollen und andererseits da die Innovationszyklen kürzer sind.

    Innovationsfluch – Schlangenöl vertrieben durch Quacksalber während des Goldrausches und Finanzier mit der Laterna Magica. Das haben sie in der IT genauso. Maßgeblichen Einfluss hat die Form der Finanzierung. Das ist nicht unbedingt schlecht,… die Übertreibungen sind da.

    Das Problem mit der Pharma ist anderes. Wer seine Produkte über Steuern lässt bezahlen ist ein staatsabhängiger Betrieb. Somit wird er auch von den 40% die noch im verbleibenden kleinen Rest der sog. staatsunabhängigen Realwirtschaft arbeitet erhalten.

    Ihre Argumente sind korrekt, auch stimmen ihre Beobachtungen. Aber es sind die Symptome. Die sog. sanfte Medizin ist nichts anderes als die Krankheit anstatt etwas radikaler in 2 Tagen zu heilen über Tage/Wochen zu verschleppen ohne wirklich nachhaltige Heilung.

    Dass die KK Beiträge so hoch sind, liegt darin dass Deutschland ein sozialistisches Land ist – Sozialismus und sozial gerecht sind ein Widerspruch. Die Beiträge sind nicht hoch, die Einkommens- und Vermögensverteilung hat eine Schieflage mittlerweile, es ist erschreckend. Am direkten Weg in Brasilianische Verhältnisse, etwas überspitzt formuliert, aber allein bezüglich der Fristigkeit.

    Wären die Produktivitätsvorteile seit den 70ern an die Gesellschaft rücküberführt worden, dann könnte sich heute jeder das 5 – 7fache leisten. D.h. jeder könnte sich das Medikament locker leisten, denn der Preis steigt ja eher gemächlich. Bei 50% Rückführung der Produktivitätsgewinne wäre das Medikament für den Privatmann ohne Krankenversicherung bezahlbar.

    Der Medizinbereich wird als Cash Cow angesehen. Krankenhaus, Patient, Arzt – die werden alle laufend insbesondere bei den Geräten nachhaltig übervorteilt. Ich gehe selbst nur in seltensten Fällen zum Arzt, wenn Fieber gegen 40 geht, das passiert einmal pro Dekade.

  5. Wolfram Says:

    Das im letzten Abschnitt Beschriebene gab es in Deutschland schon einmal, und zwar in der DDR.
    Susan hat das mit dem Profit schon richtg erkannt.

    Ohne Veränderung in der Gesellschaft wird wohl alles so bleiben wie es ist oder eher noch schlimmer werden.

  6. Marty Says:

    Bestmögliche Gesundheitsversorgung muss absolute Priorität progressiver Gesundheitspolitik werden.
    Gesundheit darf keine Ware sein. PUNKT!

  7. Susan Says:

    Ein schöner Post. Ganz stimmt er aber nicht. Heutzutage werden von den KK meist nur Inhaltsstoffe bezahlt und nicht das Medikament einer ganz bestimmten Firma. Man kann das Medikament von der Fa. xyz zwar haben, muss dann aber zuzahlen, was bei von der KK favorisierten Medis oft nicht der Fall ist. Meist sind die Medis dann von Generikafirmen. Das trifft nicht immer und überall zu, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. Bestimmte Untersuchungen finden sich leider nicht mehr in den Katalogen der KK, weil damit Schindluder getrieben wurde. Hauptsache Geldeintreiben. Darunter müssen dann diejenigen Patienten leiden, die diese Krankheit wirklich haben und zu deren Feststellung sie aber eine IGL-Leistung in Anspruch nehmen müssen. Für Niedriglöhner und Arbeitslose ist das einfach unzumutbar und in der Regel nicht machbar. Also wird gewartet bis das Kind im Brunnen liegt und wir alle als Solidargemeinschaft müssen mit unseren KK-Beiträgen ein Vielfaches dessen zahlen, was vorher fällig gewesen wäre. Profit und Gesundheitswesen sind sich zwei widersprechende Dinge. Das nur am Rande bemerkt. Wirklich ein sehr interessanter Post.

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