Von Bankstern und Gangstern


Die Wiederauferstehung des SoFFin

 

 Nachdem sechs deutsche Banken beim Stresstest durchgefallen sind brachte das Bundeskabinett die Wiedereröffnung des „Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung“ SoFFin wieder auf den Weg. Dieser war im Jahr 2008 während der Finanzkrise zur Rettung von Banken gegründet und dann wieder geschlossen worden.

Angeblich soll seine Wiederbelebung eine Vorsichtsmaßnahme sein, falls Banken wegen der höheren Eigenkapitalsvorschriften der EU Bankenaufsichtsbehörde EBA Probleme bekommen. Bei Millionen von Gewinnen jedes Jahr?

Bei den im Stresstest durchgefallenen Banken handelt es sich um die Deutsche Bank, die Commerzbank, die DZ-Bank (Deutsche Zentralgenossenschaftsbank) sowie die Landesbanken NordLB, Helaba und die WestLB. Beim Test wiesen diese Banken eine Kapitallücke in Höhe von insgesamt 13,1 Milliarden Euro auf. Dieses Geld soll von den Märkten beschafft werden und wenn dies nicht möglich ist, stünde der SoFFin bereit.

Soll man diese Banken nun bedauern? Haben sie nicht durch das Zocken mit unsicheren Papieren zum Teil Millionen Gewinne erwirtschaftet und Bonis an die Aktionäre, die wie Aasgeier auf die Ausschüttungen warten, ausbezahlt? Von den überdimensionalen Gehältern an Ackermann und Co. ganz zu schweigen!

Auch die BaFin soll neue Rechte erhalten und massiv gestärkt werden. Konnte bisher die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen) erst dann tätig werden, wenn ein Institut in seiner Existenz gefährdet war, soll diese nun schon bei der Gefahr einer Finanzstabilität Vorgaben für die Eigenkapitalausstattung von Banken machen dürfen.

Aus dem Gesetzentwurf geht auch hervor, dass künftig Banken ihre Staatsanleihen in eine Bad Bank unter dem Dach der SoFFin auslagern können. Zuvor war dies von 2008 bis 2010 nur dann möglich, wenn es sich um „toxische Wertpapiere“ handelte (z. B. Hedge Fonds, Swaps, Immobilienfonds).

SoFFin-Hilfen der Vergangenheit 

Während der Finanzkrise erhielt die Commerzbank bereits SoFFin-Hilfen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro, stille Reseven (insgesamt 16,4 Milliarden Euro) sollen verzinst werden und für insgesamt 1,8 Milliarden Euro kaufte der Bund sich mit 25 Prozent plus 1 Aktie ein. Mittlerweile hat die Commerzbank mit der Rückzahlung dieser Gelder begonnen.

Bei der HRE (Hypo Real Estate) sieht das schon anders aus. Neben Garantieleistungen in Milliardenhöhe zahlte der SoFFin 7,7 Milliarden Euro. Weitere Hilfen wären notwendig gewesen, sodass die HRE im Oktober 2009 an den Bund zu 100 Prozent überging. Größtenteils wurde die Verstaatlichung über die Bad Bank FMS Wertmanagement, damals zur Restrukturierung und geordneten Abwicklung von Kreditinstituten von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) gegründet, abgewickelt. Zwei Beispiele die noch gut im Gedächtnis sind.

Neben den EU-Rettungsschirmen soll der neue SoFFin – wie zuvor – mit bis zu 80 Milliarden Euro direkt an Banken vergeben werden können. Zudem kann auch er Garantien bis zu 400 Milliarden aussprechen.

Schleichender Demokratieverlust

Jeder weiß mittlerweile, dass die Eurokrise sich täglich verschärft. Letztendlich muss der Steuerzahler dafür geradestehen, wenn nicht ein Wunder geschieht. Entscheidungen von Merkel und Sarkozy wie den „sofortigen und empfindlichen Sanktionen“ für die Euroländer und sechs weiteren der 10 nicht Euro-Staaten, deren Defizit drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigt, ändern daran nichts, im Gegenteil. England und Ungarn haben vor vornherein abgelehnt, Schweden und Tschechien müssen zuerst ihre Parlamente fragen.

Mit solchen Maßnahmen steuert die EU auf einen Demokratieverlust zu, weil dadurch die demokratischen Rechte nationaler Parlamente empfindlich beschnitten werden. Nötig wäre: Reichtum umzuverteilen und die Finanzmärkte mit wirksamen Gesetzen gegen Spekulationen zu belegen. Stattdessen wird der Sozialstaat stranguliert und die Rezessionsspirale weiter angeheizt.

In Portugal betrachten viele Menschen die Demokratie bereits als abgeschafft. Das dortige Parlament hat in Finanzfragen kaum noch Einfluss. Fast alle Entscheidungen werden von der Troika aus Weltbank, Währungsfonds und EU vorgegeben.  Die Eurokrise führt in vielen Ländern zu Demokratieabbau und Souveränitätsverlust – löffelchen- und manchmal eimerweise, wie am Beispiel Griechenlands.

Angeblich soll „das Volk“ verschwenderisch mit Geld umgehen. Dabei sind es die Politiker in den europäischen Parlamenten, die für die Schuldenberge, deren Höhe niemand mehr überschauen kann, verantwortlich sind. Es wird „gerettet“ und „gehebelt“ und  dabei der Einfluss der Bürgerinnen und Bürger zunehmend beschränkt.

Dazu soll noch der dauerhafte Rettungsschirm ESM auf Mitte 2012 vorgezogen werden. Dieser bedeutet mit seinem „Hebel“ nichts anderes, als ein weiterer Rettungsschirm für Banken. Sind diese Dinosaurier irgendwann einmal satt? Warum verlangt man von den Griechen, Italienern und anderen europäischen Staaten überdimensioniertes Sparen und die unersättlichen Banken bekommen immer mehr Geld zugesteckt, ohne dass sie etwas dafür tun müssen? Lässt das nicht Raum für Vermutungen wie: Merkel und Sarkozy unterstützen die Zocker und das Volk darf bluten?

Das Vertrauen auf dem Kapitalmarkt in die gesamte Eurozone schwindet immer mehr. Auch das Vertrauen in die Politik, ob diese überhaupt fähig ist, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, ist mittlerweile als fragwürdig zu bezeichnen. Lösungsversuche in der Vergangenheit wurden halbherzig, zu spät oder zu unglaubwürdig angepackt.

Sind die Marionetten der Wirtschaft so sehr in ihren Fäden verstrickt, dass kein klarer Gedanke mehr bei den vom Volk Gewählten zustande kommt? Selbst die Bereitschaft kriselnder Staaten etwas gegen das Defizit und für den Schuldenabbau zu tun, lässt sehr zu wünschen übrig. Auch Deutschland hat einen Schuldenberg angehäuft, der täglich größer wird.

Haben all die Länder, die dank der Banken geknebelt werden überhaupt noch Wachstumsaussichten und können somit interessant für Anleger sein? In Deutschland sind nach dem neuesten Waffenexportbericht 2010 offenbar in der Hauptsache noch die Waffenhersteller mit Wachstum gesegnet.

Bundesregierung und Banken haben sich nicht nur durch Genehmigungen, sondern auch finanziell zum Mittäter von Mord und Gewalt gemacht. Als Handlanger des Kapitals kann man sich kaum Menschlichkeit erlauben und die Moral bleibt auf der Strecke.

Versucht hier Frau Merkel die Bevölkerung zu täuschen, indem sie vorgibt, Deutschland hätte sich gut in der so genannten Krise behauptet und sei auf Wachstumskurs? Wenn dem so wäre, wozu benötigt sie dann auf der anderen Seite Rettungsschirme für Staaten und vorsorgliche Rettungspakete für Banken?

Fazit

Gehört nicht eine Bank, die die gesetzlich festgelegten Rücklagen nicht mehr aufbringen kann und dadurch Pleite zu gehen droht, nicht ebenfalls abgewickelt? Sendet nicht die ständige Bankenrettung mit mehreren Rettungsmöglichkeiten falsche Signale nach dem Motto: Banken zockt nur weiter, der Steuerzahler wird’s schon richten? Und wo bleiben denn die jährlichen Milliardengewinne, mit denen doch ebenfalls Rücklagen gebildet werden können?

Das Problem „Banken“ muss endlich einmal von der Wurzel her angepackt und deren Treiben ein Riegel vorgesetzt werden.

Immer mehr Bürger geraten durch das Ausbleiben von Regeln für Finanzmärkte und Wirtschaft in die Verarmung. Für die Finanzmärkte aber wird ein „Schwarzes Loch“ aufgemacht, in dem Geld immer weiter verschlungen wird, bis zum Schluss das Ersparte der kleinen Leute ebenfalls darin verschwindet.

Von den Griechen und anderen in Not geratenen Staaten verlangt man Reformen und Sparen, bevor es Geld gibt. Warum kann man Banken nicht auch auf diese Art an die Leine nehmen und das Zocken mit Hedge-Fonds verbieten? Haben etwa Sparkassen und Raiffeisenbanken, die nicht mit solchen Papieren handeln dürfen und deren Hauptgeschäft immer noch der Dienst am Kunden ist, ebenfalls diese hausgemachten Probleme?

Wie wäre es, wenn einmal ein Rettungsschirm für mittelständische Firmen, Arbeitnehmer und Arbeitslose gespannt werden würde? Das würde in jedem Fall die Wirtschaft auf anständige Weise, auch in anderen Ländern, ankurbeln. Stattdessen könnten auf der anderen Seite auch Parteien, Politiker, Banker und die Wirtschaft mit ihren ins Maßlose gehenden Diäten, Schmiergeldern und Managergehältern an sich selbst anfangen zu sparen.

Die Proteste gegen die falsche Krisenpolitik dürfen deshalb nicht nachlassen. Immer mehr Menschen zeigen, dass sie dieses Gebaren von Politikern und Banken nicht mehr länger hinnehmen wollen. Es ist absolut inakzeptabel, dass Finanzmärkte die Politik vor sich hertreiben und Großbanken ganze Gesellschaften erpressen können. Ebenfalls ist zu verurteilen, dass Akteure dieser Widerstände mit Mord für sich und ihre Familien bedroht werden, wie im Fall von Wolfram Siener, Sprecher der Occupy-Frankfurt.

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4 Antworten to “Von Bankstern und Gangstern”

  1. donfurioso Says:

    Demokratie wird untergraben, der Mittelstand wird abgeschafft. Eine Minderheit von 1% bestimmt unser Leben, unser Geld, und keiner hat’s gemerkt.

  2. uhupardo Says:

    Die Banken bekommen vor dem Crash nun noch einmal die Gelegenheit, sich so richtig vollzusaugen. Da ist SoFFin nicht der Kuchen sondern nur der Krümel.

    Auf dem Brüsselere Gipfel wurde noch ganz anderes beschlossen – nur nicht kommuniziert. Man weiss genau, warum das unterlassen wurde.
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/12/15/gipfel-ergebnis-geld-drucken-ohne-grenzen-ist-jetzt-legitim/

    Saludos del Uhupardo

  3. Therian-Xeneron Says:

    In der Tat könnte man über diese Missstände nur den Kopf schütteln. Kennt man aber die Zusammenhänge zwischen Politik, Finanzwesen und dessen Lenker, sowie die Ziele dieser Strategie, dann gelangt man ganz leicht zum Erkennen! Strippenzieher und dessen gehorsame Marionetten. Zum Wohle einiger – zum Schaden vieler!

  4. Hardy Says:

    Hebt doch ALLE mal Euer Geld von Euren Konten ab, nur so zum Spass :-), aber alle gleichzeitig! Es ist wirklich ganz einfach dieses System aus den Angeln zu heben.

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